Friday, 23 September 2016

Ein Traum

Als ich 20 war, lebte und arbeitete ich für ein Jahr in England. Wir waren eine Clique von jungen Leuten aus aller Welt und wir hatten den Traum einer Welt voller Freundschaft. Einer Welt, in der Menschen von unterschiedlichen Kulturen und Religionen zusammen leben, zusammen arbeiten und voneinander lernen. Wir kochten die Gerichte unserer Heimat und wir teilten unsere Musik und unsere Lieder. Diesen Traum lasse ich mir nicht nehmen, auch nicht, wenn ich gebeten werde, die irrationalen Ängste "besorgter Bürger" "ernst zu nehmen", die rechtspopulistischen Rattenfängern folgen und Leute wie mich "Gutmenschen" nennen. 

Eines der Lieder, das ich damals kennenlernte, war dieses - ein trauriges Lied von Freundschaft und Krieg und sinnlosem Tod, gesungen von Fayrouz, der  wohl bekanntesten Sängerin des Libanon.

Fairuz: Chadi

Saturday, 27 August 2016

Frauenkleidung - jetzt wird's politisch

Dieser Sommer hat eine Menge Diskussionen gebracht, die nicht unwichtig sind, aber irgendwie immer zur unrechten Zeit kamen. Die Frage, wie Frauen sich in der Öffentlichkeit kleiden sollen, gehört dazu. Ja, ich meine die "Burka-Debatte", bei der die meisten Leute unter dem Begriff "Burka" alles zusammen fassen, was sie stört, von fremdem Aussehen über fremde Sprachen bis zu Knoblauch in der Salatsoße.

Meine Meinung zur "Burka":

1.
Ich mag sie nicht. Ich möchte, dass Frauen sich so zeigen können, wie sie sind, und vor allem möchte ich einer Gesprächspartnerin ins Gesicht und in die Augen schauen können. Mir gefällt die Buntheit unseres Straßenbildes besser als einheitlich gekleidete Menschen.

2.
Allerdings muss man bedenken, dass die meisten "Burkas" keine sind. Es ging ja genug Information durch die Medien, es wurde erklärt, dass die "Burka" ein Kleidungsstück aus Afghanistan ist, meistens blau, und vor den Taliban nur bei Ausflügen in die Stadt üblich war, im Dorf trug frau sie nicht. Die Taliban zwangen alle Frauen zur Verhüllung ihres Körpers und ihres Gesichts und damit wurde die Burka zu einem Symbol der Unterdrückung.

Aber die meisten Frauen hier tragen keine. Denn wenn die Augen noch zu sehen sind, tragen sie eine Niqab, die aus Saudi-Arabien stammt und dort schon in vor-islamischer Zeit üblich war.

Die allermeisten Frauen hier bei uns tragen aber weder das eine noch das andere - und ich vermute, dass viele Niqab-Trägerinnen Touristinnen sind.

3.
Ich glaube nicht, dass  ein generelles Verbot mehr Sicherheit und mehr Integration bringt. Im Gegenteil. Der Streit  um den "Burkini" in Frankreich  - einer Erfindung einer Muslima in Australien, damit musilimische Frauen am Badeleben teilnehmen können, auch wenn sie ihre Religion traditionell leben wollen - zeigte in dieser  Woche ein Foto, in dem eine Frau am Strand von bewaffneten Polizisten angesprochen wurde und ihren Burkini entfernen musste, weil er in dieser Stadt verboten war.

Was richtet so ein Anblick an ? Ist er nicht Wasser auf die Mühlen von Extremisten ? Macht er Frauen nicht Angst, die sich dann eben nicht mehr aus dem Haus trauen ?

Ich fürchte, das führt nur zu weiterer Trennung, zu Unverständnis, zu Gewalt..

Abgesehen davon, dass ein generelles Kleidungsstück-Verbot in der allgemeinen Öffentlichkeit in meinen Augen dem Grundgesetz widerspricht, eine Meinung, die ich auch von Verfassungsrechtlern im Fernsehen gehört habe.

4.
Nichstdestotrotz gibt es Situationen, in denen die Gesichtsverschleierung verboten werden kann, weil es wichtig ist, sein Gesicht zu zeigen. In der Schule z.B., im Gericht, bei Behörden ... ein Verbot von Gesichtsverschleierung in gewissen Situationen ist sinnvoll und bereits heute möglich . Und wird auch sogar durchgeführt.

Schade, dass es keine sachliche und pragmatische Diskussion zu dem Thema gibt, schade, dass der Wahlkampf zu populistischen Schnellschüssen verführt - aber dass man nicht alles verbieten kann, was einem nicht gefällt, das ist eine der Grundlagen unserer Ordnung. Und Verbote in Bezug auf die Kleidung sollten bedacht und mit Augenmaß durchgeführt werden.

Dass dadurch die Gespräche über die Rolle der Frau, über Gleichberechtigung und Chancengleichheit der Geschlechter nicht aufhören dürfen, ist für mich aber auch klar. Allerdings ist das ein Thema, das es schon vor den Flüchtlingen aus muslimischen Ländern gab - aber das ist wieder ein anderer Blog.

Sunday, 12 June 2016

Schwarz-Rot-Gold



Nun sieht mal sie wieder überall - an Fahnenmasten, Autospiegeln, als Teil des Make-up, als Balkonschmuck: die Farben schwarz-rot-gold, die Farben unserer Nationalflagge. Und wieder mal gibt es die Diskussion, ob das Zeigen dieser Farben nun "nationalistisch" sei und ob "Nationalismus" nicht schlecht sei und ein Zeichen von "Deutschland, Deutschland über alles". Die einen wackeln bedenklich mit dem Kopf, die anderen sehen sich schon wieder in die falsche politische Ecke gestellt und wieder andere meinen, "man müsse endlich mal einen Schlussstrich..." und so weiter und so weiter.

Also, Leute, nun haltet mal den Ball flach. Es geht um Fußball, nicht um den Dritten Weltkrieg. Es geht darum, die eigenen Nationalelf zu unterstützen. Was soll man denn sonst schwenken - die Fahne von Bayern München vielleicht ? Nach der EM werden die Farben wieder aus dem Stadtbild verschwinden  - aber so lange möchten die Fans zeigen, für wen sie jubeln.

Und mal ehrlich: ein Fußballspiel, bei dem höflich und fair für beide Mannschaften geklatscht wird, ist doch auch langweilig. Solange sich die Fans hinterher nicht gegenseitig verprügeln, ist doch alles okay.

Aber die Farben schwarz-rot-gold haben für mich noch eine andere Bedeutung. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere an den Geschichtsunterricht, an die Jahre zwischen 1815 und 1849, in denen in den deutschen Landen der Gedanke eines Nationalstaates entstand. Eines Nationalstaates mit Volkssouveränität und Grundrechten. Einheit und Freiheit - dafür sind in jenen Jahren auch Leute ins Gefängnis gegangen und sogar gestorben. In diesen Jahren wurden die Farben schwarz-rot-gold geschwenkt, sie wären auch die Nationalfarben dieses  geplanten demokratischen Staates geworden.

Wie wir wissen, wurde das nix, die Gegner dieser Ideen waren stärker. Als 1871 die Einheit kam, kam sie von den Herrschenden und es entstand eine obrigkeitsstaatliche Ordnung. Während 1832 der Nationalismus einer war, der andere nicht ausgrenzte, so wurde er ab 1890 zum Imperialismus, der im Ersten Weltkrieg gipfelte. Die Flagge des Kaiserreiches war schwarz-weiß-rot.

Die Weimarer Demokraten entschieden sich für schwarz-rot- gold. Ebenso die Väter und Mütter des Grundgesetzes, beide Male in Erinnerung an die Geschichte, an die Tradition des Vormärz, an die Forderungen und Gedanken dieser Zeit.

Und so ist die deutsche Flagge eine Flagge von "Einigkeit und Recht und Freiheit". Sie ist die Flagge eines demokratischen Landes, eines mittlerweile bunten Landes, eines Landes, das kritisch und besonnen mit seiner Vergangenheit umgeht, in dem kritischer Diskurs und demokratische Entscheidungen die Grundlage des politischen Lebens sind.

Ich finde die deutsche Flagge in diesem Sinne ein gutes Symbol - in Erinnerung an die demokratischen und freiheitlichen Tradtionen in diesem Land. Traditionen, die nicht ausgrenzen, sondern integrieren. So, wie unsere Nationalelf ein Symbol der Vielseitigkeit und der Integration geworden ist. Für diese Jungs passt schwarz-rot-gold.

Und insgesamt sollte man das ruhig locker sehen: mein Nachbar (Italiener mit deutscher Ehefrau) schmückt sein Auto bei internationalen Fußballturnieren mit beiden Flaggen. DAS ist Deutschland !!


Sunday, 17 January 2016

In Büchern nichts Neues

Zum ersten Mal fiel es mir auf, als der bayrische Komiker mit MM als Initialen Vater wurde. Natürlich erzählte er davon, natürlich nahm er die Erfahrungen in sein Programm auf. Aber er schrieb auch ein Buch.

Und erschien dann in jeder Talk Show, um für dieses Buch zu werben. Er erzählte davon, wie man sich so fühlt, wenn man der erste Vater der Weltgeschichte ist. Äh, ok, ist er nicht, aber so erzählte er. Das, was Milliarden von Menschen schon erlebt hatten, wurde nun locker-flockig-komisch vermarktet. Die interessierte Leserschaft erfuhr nichts, was sie nicht selber schon erfahren hatte oder erfahren würde - aber es gab ein Buch und alle staunten, was dieser kluge Mann so alles  zu erzählen wusste.

Kam mir irgendwie so vor, wie damals, als mein Kleiner sein erstes Häuflein in den Topf gesetzt hatte. Da haben wir auch gejubelt und ihn bewundert.

Und seit MM erlebe ich es immer wieder - Bücher, die von etwas erzählen, was jeder irgendwie mitmacht. Nicht als Ratgeber, nicht nachdenklich, nicht völlig neu - aber locker-flockig. 

So wie die Radio-Moderatorin, die über Schlankheit und Schönheit Bücher geschrieben hat und locker-flockige Frauenbücher mit einer Heldin, die nie ein Role Model für mich sein kann, weil sie einfach zu chaotisch ist, um meinen anstrengenden Alltag zu meistern.Von daher unterhalten mich diese Bücher auch nicht, sondern machen mich nervös.

Jedenfalls hat sie ein neues Buch über einen Feldversuch geschrieben, in dem sie auf Online-Portalen  nach Männern sucht, da sie und ihr Mann sich ja getrennt haben. Neulich war sie in einer Talk-Show - witzig war's, wie sie berichtete, aber es waren die alten Platitüden, z.B. dass Männer keine Frauen wollen, die mehr verdienen als sie.  "Man kann auch ohne Mann gut leben" ... ach was. Auch keine neue Erkenntnis. Aber lustig verkauft.

Ist es das Alter, dass ich keine Lust auf locker-flockige Selbstverständlichkeiten mehr habe ?  Dass ich nicht lesen will, dass sich Abenteuer nicht lohnen und man am besten zu Hause bleibt, um über  die Misserfolge  in lustiger Verpackung zu lesen? Dass ich mir wünsche, mal ein echtes Buch von einer echten Frau in meinem Alter zu lesen, mit echtem Frust und echten Erkenntnissen und vor allem mit Mut zum Abenteuer Leben, auch wenn frau alt und faltig ist ? Mut zum wirklich Ungewöhnlichen ?

Wenn's dann auch noch witzig wäre, wäre es perfekt.