Dieser Sommer hat eine Menge Diskussionen gebracht, die nicht unwichtig sind, aber irgendwie immer zur unrechten Zeit kamen. Die Frage, wie Frauen sich in der Öffentlichkeit kleiden sollen, gehört dazu. Ja, ich meine die "Burka-Debatte", bei der die meisten Leute unter dem Begriff "Burka" alles zusammen fassen, was sie stört, von fremdem Aussehen über fremde Sprachen bis zu Knoblauch in der Salatsoße.
Meine Meinung zur "Burka":
1.
Ich mag sie nicht. Ich möchte, dass Frauen sich so zeigen können, wie sie sind, und vor allem möchte ich einer Gesprächspartnerin ins Gesicht und in die Augen schauen können. Mir gefällt die Buntheit unseres Straßenbildes besser als einheitlich gekleidete Menschen.
2.
Allerdings muss man bedenken, dass die meisten "Burkas" keine sind. Es ging ja genug Information durch die Medien, es wurde erklärt, dass die "Burka" ein Kleidungsstück aus Afghanistan ist, meistens blau, und vor den Taliban nur bei Ausflügen in die Stadt üblich war, im Dorf trug frau sie nicht. Die Taliban zwangen alle Frauen zur Verhüllung ihres Körpers und ihres Gesichts und damit wurde die Burka zu einem Symbol der Unterdrückung.
Aber die meisten Frauen hier tragen keine. Denn wenn die Augen noch zu sehen sind, tragen sie eine Niqab, die aus Saudi-Arabien stammt und dort schon in vor-islamischer Zeit üblich war.
Die allermeisten Frauen hier bei uns tragen aber weder das eine noch das andere - und ich vermute, dass viele Niqab-Trägerinnen Touristinnen sind.
3.
Ich glaube nicht, dass ein generelles Verbot mehr Sicherheit und mehr Integration bringt. Im Gegenteil. Der Streit um den "Burkini" in Frankreich - einer Erfindung einer Muslima in Australien, damit musilimische Frauen am Badeleben teilnehmen können, auch wenn sie ihre Religion traditionell leben wollen - zeigte in dieser Woche ein Foto, in dem eine Frau am Strand von bewaffneten Polizisten angesprochen wurde und ihren Burkini entfernen musste, weil er in dieser Stadt verboten war.
Was richtet so ein Anblick an ? Ist er nicht Wasser auf die Mühlen von Extremisten ? Macht er Frauen nicht Angst, die sich dann eben nicht mehr aus dem Haus trauen ?
Ich fürchte, das führt nur zu weiterer Trennung, zu Unverständnis, zu Gewalt..
Abgesehen davon, dass ein generelles Kleidungsstück-Verbot in der allgemeinen Öffentlichkeit in meinen Augen dem Grundgesetz widerspricht, eine Meinung, die ich auch von Verfassungsrechtlern im Fernsehen gehört habe.
4.
Nichstdestotrotz gibt es Situationen, in denen die Gesichtsverschleierung verboten werden kann, weil es wichtig ist, sein Gesicht zu zeigen. In der Schule z.B., im Gericht, bei Behörden ... ein Verbot von Gesichtsverschleierung in gewissen Situationen ist sinnvoll und bereits heute möglich . Und wird auch sogar durchgeführt.
Schade, dass es keine sachliche und pragmatische Diskussion zu dem Thema gibt, schade, dass der Wahlkampf zu populistischen Schnellschüssen verführt - aber dass man nicht alles verbieten kann, was einem nicht gefällt, das ist eine der Grundlagen unserer Ordnung. Und Verbote in Bezug auf die Kleidung sollten bedacht und mit Augenmaß durchgeführt werden.
Dass dadurch die Gespräche über die Rolle der Frau, über Gleichberechtigung und Chancengleichheit der Geschlechter nicht aufhören dürfen, ist für mich aber auch klar. Allerdings ist das ein Thema, das es schon vor den Flüchtlingen aus muslimischen Ländern gab - aber das ist wieder ein anderer Blog.