Sunday, 12 June 2016

Schwarz-Rot-Gold



Nun sieht mal sie wieder überall - an Fahnenmasten, Autospiegeln, als Teil des Make-up, als Balkonschmuck: die Farben schwarz-rot-gold, die Farben unserer Nationalflagge. Und wieder mal gibt es die Diskussion, ob das Zeigen dieser Farben nun "nationalistisch" sei und ob "Nationalismus" nicht schlecht sei und ein Zeichen von "Deutschland, Deutschland über alles". Die einen wackeln bedenklich mit dem Kopf, die anderen sehen sich schon wieder in die falsche politische Ecke gestellt und wieder andere meinen, "man müsse endlich mal einen Schlussstrich..." und so weiter und so weiter.

Also, Leute, nun haltet mal den Ball flach. Es geht um Fußball, nicht um den Dritten Weltkrieg. Es geht darum, die eigenen Nationalelf zu unterstützen. Was soll man denn sonst schwenken - die Fahne von Bayern München vielleicht ? Nach der EM werden die Farben wieder aus dem Stadtbild verschwinden  - aber so lange möchten die Fans zeigen, für wen sie jubeln.

Und mal ehrlich: ein Fußballspiel, bei dem höflich und fair für beide Mannschaften geklatscht wird, ist doch auch langweilig. Solange sich die Fans hinterher nicht gegenseitig verprügeln, ist doch alles okay.

Aber die Farben schwarz-rot-gold haben für mich noch eine andere Bedeutung. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere an den Geschichtsunterricht, an die Jahre zwischen 1815 und 1849, in denen in den deutschen Landen der Gedanke eines Nationalstaates entstand. Eines Nationalstaates mit Volkssouveränität und Grundrechten. Einheit und Freiheit - dafür sind in jenen Jahren auch Leute ins Gefängnis gegangen und sogar gestorben. In diesen Jahren wurden die Farben schwarz-rot-gold geschwenkt, sie wären auch die Nationalfarben dieses  geplanten demokratischen Staates geworden.

Wie wir wissen, wurde das nix, die Gegner dieser Ideen waren stärker. Als 1871 die Einheit kam, kam sie von den Herrschenden und es entstand eine obrigkeitsstaatliche Ordnung. Während 1832 der Nationalismus einer war, der andere nicht ausgrenzte, so wurde er ab 1890 zum Imperialismus, der im Ersten Weltkrieg gipfelte. Die Flagge des Kaiserreiches war schwarz-weiß-rot.

Die Weimarer Demokraten entschieden sich für schwarz-rot- gold. Ebenso die Väter und Mütter des Grundgesetzes, beide Male in Erinnerung an die Geschichte, an die Tradition des Vormärz, an die Forderungen und Gedanken dieser Zeit.

Und so ist die deutsche Flagge eine Flagge von "Einigkeit und Recht und Freiheit". Sie ist die Flagge eines demokratischen Landes, eines mittlerweile bunten Landes, eines Landes, das kritisch und besonnen mit seiner Vergangenheit umgeht, in dem kritischer Diskurs und demokratische Entscheidungen die Grundlage des politischen Lebens sind.

Ich finde die deutsche Flagge in diesem Sinne ein gutes Symbol - in Erinnerung an die demokratischen und freiheitlichen Tradtionen in diesem Land. Traditionen, die nicht ausgrenzen, sondern integrieren. So, wie unsere Nationalelf ein Symbol der Vielseitigkeit und der Integration geworden ist. Für diese Jungs passt schwarz-rot-gold.

Und insgesamt sollte man das ruhig locker sehen: mein Nachbar (Italiener mit deutscher Ehefrau) schmückt sein Auto bei internationalen Fußballturnieren mit beiden Flaggen. DAS ist Deutschland !!