Thursday, 31 December 2015

Wie geht's ?

Also...

... die Frage "Wie geht's?" ist im angelsächsischen Raum ("How are you?") einfach eine Form der Begrüßung. Man antwortet mit "Fine, thank you ..." und redet dann über's Wetter.

Deutsche empfinden das manchmal als "Heuchelei" und behaupten, sie würden auf so eine Frage immer eine ehrliche Antwort haben wollen. Also sie fragen nur, wenn sie die Antwort auch interessiert.

Meiner Erfahrung nach, ist das aber keineswegs so. Die Frage "Wie geht's Dir?" ist im Grunde nur der Anlass, zu jammern. Man möchte gerne selber erzählen, wie schlecht es einem geht, und hofft, dass der/die Gefragte sich nicht allzu lange mit der Schilderung der eigenen Befindlichkeit aufhält.

Beispiele gefällig ?

Ich liege am Tag nach einer schweren OP mit Schläuchen im Körper und Schmerzen im Bett, das Handy klingelt und die Frage "Wie geht's Dir?" ertönt. Ich erwähne die stundenlange OP, die Schläuche und die Schmerzen ... und das ist das Stichwort. Sofort erfahre ich, dass man auch Schmerzen im Knie habe, und im Rücken erst, au weia. Und OPs kenne man auch, man war vor kurzem beim Zahnarzt und was der gebohrt hat, mann-o-mann, das hält man nicht aus.

Ich halte es auch nicht aus und beende das Gespräch.

Ein Anruf am Sonntag nach einer sehr arbeitsreichen Woche. Die übliche Frage. Ich erwähne viel Arbeit und dass ich am Samstag so fertig gewesen bin, dass ich um halb 10 im Bett lag und 10 Stunden geschlafen habe. Antwort: "Ach, Du kannst wenigstens schlafen, da habe ich ja so meine Probleme, also letzte Woche ...." --- ich hole mir einen Kaffee und grunze ab und zu etwas Ermutigendes in den Redefluss.

Wenn ich einfach "Gut, danke" sage, sind sie übrigens auch beleidigt. Denn wie kann es mir denn gut gehen, Single der ich bin, einsam in der Weihnachtszeit ... und wieso soll es mir gut gehen, wenn der Rest der Republik, mein Gesprächspartner an vorderster Front, leidet ??

Also sage ich "Gut, und Dir?" und hole dann das Tonband mit der Endlosschleife von beruhigenden und mitfühlenden Tönen, schalte ansonsten auf Durchzug und genieße meinen Kaffee.

Ja, auch wir Deutschen sind nicht "immer ehrlich" -- aber wir jammern gerne. Und darin sind wir echt gut !

Also, wenn ich Euch jetzt noch erzähle, was ich für schreckliche Anrufe heute gekriegt habe ...also, das glaubt kein Mensch, was ich wieder gelitten ....

Friday, 25 December 2015

Der Flug des Drachen

Das Nest ist leer

22 Jahre lang waren wir verbunden.

Bereits vor seiner Geburt habe ich seine Tritte gespürt und wegen ihm alle halbe Stunde die Toilette aufgesucht. Konnte ich nachts nicht mehr liegen .

An den Moment der Geburt erinnere ich mich noch genau und seitdem habe ich unzählige Nächte durchgewacht, ihn beruhigt, ermutigt, vorgelesen, vorgesungen. Habe Stunden bei Ärzten und in der Chirurgischen Ambulanz mit ihm verbracht.

Habe mein Herz vor seinen Tränen verschlossen, die er in der ersten Kindergartenwoche weinte, aber es half nichts, ich musste arbeiten. Und er lernen, auch ein paar Stunden ohne die Mama zurecht zu kommen … was nach dieser ersten Woche sein Leben lang geklappt hat.

Ich war zuständig für Schuhe, Kleidung, Nahrung … erst durch meinen Körper direkt, dann dadurch, dass ich sie ins Haus brachte.

Habe mit ihm Hausaufgaben gemacht, gelernt, geübt ...

Die direkte Fürsorge wurde weniger, aber noch im letzten Dezember waren wir wieder im Krankenhaus . Und noch kurz vor seinem Auszug musste ich in seinem Zimmer den PC herunterfahren, in dem eine DVD herumlärmte und mich wach hielt, während er schon leise schnarchte.

22 Jahre lang waren wir verbunden – 22 Jahre lang war ich zuständig. Kann man verstehen, dass da nun ein Loch ist, an das ich mich erst gewöhnen muss, das ich nicht sofort füllen kann ?

Als er klein war, gab ich ihm Wurzeln. Als er größer wurde, Flügel.

Nun hat er sie ausgebreitet und fliegt. Bei aller Wehmut – so ist das richtig und so muss es sein. Ich weiß das.

Und so werde ich jetzt auch lernen, das neue Leben zu leben – auch ich werde fliegen lernen !

(Anfang Februar 2013)

Hallo !!

Einen Blog gibt es von mir schon - auf Englisch, für meine Freunde und Freundinnen in aller Welt. So begrüße ich  hier Leserinnen und Leser meiner Muttersprache - wer Deutsch kann, möge lesen.

Muss aber nicht !

Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest - möget Ihr das Licht, das das Kind in der Krippe bedeutet, in Eurem Leben immer wieder erfahren !