Saturday, 17 October 2020

Es sterben täglich Leute .... der Umgang mit den Corona-Toten


" Corona Tote? Ach. Es sterben doch täglich Leute, über die regt sich keiner auf. Und wie war das mit der Grippewelle 2017/18 ? Oder die vielen Verkehrstoten ? Es sterben doch Leute, die sowieso sterben würden, bei manchen ist es vielleicht sogar vernünftig, wenn sie sterben, so alt und krank sie waren."

Nein, das ist NICHT meine Meinung, das sind Aussagen, die ich in Kommentarspalten zu Corona so lese.

Und sie regen mich mehr und mehr auf.

Erstmal  - es werden immer wieder auch die Toten durch Krebs in der Zeitung erwähnt. Das sind so Zahlen, die man zur Kenntnis nimmt und nur dann weiter drüber nachdenkt, wenn man irgendwie selber betroffen ist. Ebenso mit den Verkehrstoten - da regt sich wirklich niemand auf, sonst würde man ja z.B. ein Tempolimit auf Autobahnen befürworten. 

Der Tod gehört zum Leben, das stimmt.

Aber heißt das, dass wir einfach gefühllos darüber hinweg gehen, wenn jemand stirbt? Doch nicht. Selbst, wenn der/die Verstorbene sehr alt war, wenn der Tod als Erlösung empfunden wurde, man vermisst und trauert. Aber man konnte vielleicht Abschied nehmen, der/die Sterbende hatte Besuch, Betreuung, Liebe.

Man stelle sich das aber mal mit den Covid-19 Toten vor. Nehmen wir mal an, die Mutter ist Anfang 60, leidet an Diabetes, aber kommt mit Ernährungsumstellung und mehr Bewegung langsam in einen Bereich, in dem sie keine Medikamente mehr braucht. Sie wohnt - wie das ja heute oft der Fall ist - weit weg, denn das Kind zog aus beruflichen Gründen in einen entfernten Teil der Republik.

Mutter ist fit und arbeitet noch. Irgendwo auf dem Weg oder im Büro passiert es dann, sie steckt sich mit Covid-19 an. Sie entwickelt schwere Symptome und muss ins Krankenhaus. Sie kommt nach einer Woche auf die Intensivstation und muss beatmet werden.

Würdig ist das nicht - Kind in 600 km Entfernung hat so Bilder gesehen von Menschen, die auf dem Bauch liegen, mit Windeln .. und Kind kann die Mutter nicht besuchen. Die Station ist abgeschottet, die Reise schwierig der Wohnort des Kindes mittlerweile auch "Riskogebiet". Man darf anrufen und wenn man Glück hat, hat eine Schwester kurz Zeit, Auskunft zu geben. Die Station füllt sich nämlich.

Der Zustand der Mutter wird schlechter und schließlich stirbt sie. Allein. Ohne die Familie, nur mit dem Beatmungsgerät und den Maschinen, die jetzt nicht mehr piepsen.

Wollen wir das ? Gehört das zum Leben ? Ist das "völlig normal" und "vernünftig"?

Wer so argumentiert, hat entweder keine Ahnung oder kein Herz.

Ich will nicht, dass Menschen so sterben müssen, also bin ich für Vorsicht und Rücksicht.

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