Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit gegeben. (1. Tim., 17)
Sunday, 12 June 2016
Schwarz-Rot-Gold
Nun sieht mal sie wieder überall - an Fahnenmasten, Autospiegeln, als Teil des Make-up, als Balkonschmuck: die Farben schwarz-rot-gold, die Farben unserer Nationalflagge. Und wieder mal gibt es die Diskussion, ob das Zeigen dieser Farben nun "nationalistisch" sei und ob "Nationalismus" nicht schlecht sei und ein Zeichen von "Deutschland, Deutschland über alles". Die einen wackeln bedenklich mit dem Kopf, die anderen sehen sich schon wieder in die falsche politische Ecke gestellt und wieder andere meinen, "man müsse endlich mal einen Schlussstrich..." und so weiter und so weiter.
Also, Leute, nun haltet mal den Ball flach. Es geht um Fußball, nicht um den Dritten Weltkrieg. Es geht darum, die eigenen Nationalelf zu unterstützen. Was soll man denn sonst schwenken - die Fahne von Bayern München vielleicht ? Nach der EM werden die Farben wieder aus dem Stadtbild verschwinden - aber so lange möchten die Fans zeigen, für wen sie jubeln.
Und mal ehrlich: ein Fußballspiel, bei dem höflich und fair für beide Mannschaften geklatscht wird, ist doch auch langweilig. Solange sich die Fans hinterher nicht gegenseitig verprügeln, ist doch alles okay.
Aber die Farben schwarz-rot-gold haben für mich noch eine andere Bedeutung. Vielleicht erinnert sich der eine oder die andere an den Geschichtsunterricht, an die Jahre zwischen 1815 und 1849, in denen in den deutschen Landen der Gedanke eines Nationalstaates entstand. Eines Nationalstaates mit Volkssouveränität und Grundrechten. Einheit und Freiheit - dafür sind in jenen Jahren auch Leute ins Gefängnis gegangen und sogar gestorben. In diesen Jahren wurden die Farben schwarz-rot-gold geschwenkt, sie wären auch die Nationalfarben dieses geplanten demokratischen Staates geworden.
Wie wir wissen, wurde das nix, die Gegner dieser Ideen waren stärker. Als 1871 die Einheit kam, kam sie von den Herrschenden und es entstand eine obrigkeitsstaatliche Ordnung. Während 1832 der Nationalismus einer war, der andere nicht ausgrenzte, so wurde er ab 1890 zum Imperialismus, der im Ersten Weltkrieg gipfelte. Die Flagge des Kaiserreiches war schwarz-weiß-rot.
Die Weimarer Demokraten entschieden sich für schwarz-rot- gold. Ebenso die Väter und Mütter des Grundgesetzes, beide Male in Erinnerung an die Geschichte, an die Tradition des Vormärz, an die Forderungen und Gedanken dieser Zeit.
Und so ist die deutsche Flagge eine Flagge von "Einigkeit und Recht und Freiheit". Sie ist die Flagge eines demokratischen Landes, eines mittlerweile bunten Landes, eines Landes, das kritisch und besonnen mit seiner Vergangenheit umgeht, in dem kritischer Diskurs und demokratische Entscheidungen die Grundlage des politischen Lebens sind.
Ich finde die deutsche Flagge in diesem Sinne ein gutes Symbol - in Erinnerung an die demokratischen und freiheitlichen Tradtionen in diesem Land. Traditionen, die nicht ausgrenzen, sondern integrieren. So, wie unsere Nationalelf ein Symbol der Vielseitigkeit und der Integration geworden ist. Für diese Jungs passt schwarz-rot-gold.
Und insgesamt sollte man das ruhig locker sehen: mein Nachbar (Italiener mit deutscher Ehefrau) schmückt sein Auto bei internationalen Fußballturnieren mit beiden Flaggen. DAS ist Deutschland !!
Sunday, 17 January 2016
In Büchern nichts Neues
Zum ersten Mal fiel es mir auf, als der bayrische Komiker mit MM als Initialen Vater wurde. Natürlich erzählte er davon, natürlich nahm er die Erfahrungen in sein Programm auf. Aber er schrieb auch ein Buch.
Und erschien dann in jeder Talk Show, um für dieses Buch zu werben. Er erzählte davon, wie man sich so fühlt, wenn man der erste Vater der Weltgeschichte ist. Äh, ok, ist er nicht, aber so erzählte er. Das, was Milliarden von Menschen schon erlebt hatten, wurde nun locker-flockig-komisch vermarktet. Die interessierte Leserschaft erfuhr nichts, was sie nicht selber schon erfahren hatte oder erfahren würde - aber es gab ein Buch und alle staunten, was dieser kluge Mann so alles zu erzählen wusste.
Kam mir irgendwie so vor, wie damals, als mein Kleiner sein erstes Häuflein in den Topf gesetzt hatte. Da haben wir auch gejubelt und ihn bewundert.
Und seit MM erlebe ich es immer wieder - Bücher, die von etwas erzählen, was jeder irgendwie mitmacht. Nicht als Ratgeber, nicht nachdenklich, nicht völlig neu - aber locker-flockig.
So wie die Radio-Moderatorin, die über Schlankheit und Schönheit Bücher geschrieben hat und locker-flockige Frauenbücher mit einer Heldin, die nie ein Role Model für mich sein kann, weil sie einfach zu chaotisch ist, um meinen anstrengenden Alltag zu meistern.Von daher unterhalten mich diese Bücher auch nicht, sondern machen mich nervös.
Jedenfalls hat sie ein neues Buch über einen Feldversuch geschrieben, in dem sie auf Online-Portalen nach Männern sucht, da sie und ihr Mann sich ja getrennt haben. Neulich war sie in einer Talk-Show - witzig war's, wie sie berichtete, aber es waren die alten Platitüden, z.B. dass Männer keine Frauen wollen, die mehr verdienen als sie. "Man kann auch ohne Mann gut leben" ... ach was. Auch keine neue Erkenntnis. Aber lustig verkauft.
Ist es das Alter, dass ich keine Lust auf locker-flockige Selbstverständlichkeiten mehr habe ? Dass ich nicht lesen will, dass sich Abenteuer nicht lohnen und man am besten zu Hause bleibt, um über die Misserfolge in lustiger Verpackung zu lesen? Dass ich mir wünsche, mal ein echtes Buch von einer echten Frau in meinem Alter zu lesen, mit echtem Frust und echten Erkenntnissen und vor allem mit Mut zum Abenteuer Leben, auch wenn frau alt und faltig ist ? Mut zum wirklich Ungewöhnlichen ?
Wenn's dann auch noch witzig wäre, wäre es perfekt.
Und erschien dann in jeder Talk Show, um für dieses Buch zu werben. Er erzählte davon, wie man sich so fühlt, wenn man der erste Vater der Weltgeschichte ist. Äh, ok, ist er nicht, aber so erzählte er. Das, was Milliarden von Menschen schon erlebt hatten, wurde nun locker-flockig-komisch vermarktet. Die interessierte Leserschaft erfuhr nichts, was sie nicht selber schon erfahren hatte oder erfahren würde - aber es gab ein Buch und alle staunten, was dieser kluge Mann so alles zu erzählen wusste.
Kam mir irgendwie so vor, wie damals, als mein Kleiner sein erstes Häuflein in den Topf gesetzt hatte. Da haben wir auch gejubelt und ihn bewundert.
Und seit MM erlebe ich es immer wieder - Bücher, die von etwas erzählen, was jeder irgendwie mitmacht. Nicht als Ratgeber, nicht nachdenklich, nicht völlig neu - aber locker-flockig.
So wie die Radio-Moderatorin, die über Schlankheit und Schönheit Bücher geschrieben hat und locker-flockige Frauenbücher mit einer Heldin, die nie ein Role Model für mich sein kann, weil sie einfach zu chaotisch ist, um meinen anstrengenden Alltag zu meistern.Von daher unterhalten mich diese Bücher auch nicht, sondern machen mich nervös.
Jedenfalls hat sie ein neues Buch über einen Feldversuch geschrieben, in dem sie auf Online-Portalen nach Männern sucht, da sie und ihr Mann sich ja getrennt haben. Neulich war sie in einer Talk-Show - witzig war's, wie sie berichtete, aber es waren die alten Platitüden, z.B. dass Männer keine Frauen wollen, die mehr verdienen als sie. "Man kann auch ohne Mann gut leben" ... ach was. Auch keine neue Erkenntnis. Aber lustig verkauft.
Ist es das Alter, dass ich keine Lust auf locker-flockige Selbstverständlichkeiten mehr habe ? Dass ich nicht lesen will, dass sich Abenteuer nicht lohnen und man am besten zu Hause bleibt, um über die Misserfolge in lustiger Verpackung zu lesen? Dass ich mir wünsche, mal ein echtes Buch von einer echten Frau in meinem Alter zu lesen, mit echtem Frust und echten Erkenntnissen und vor allem mit Mut zum Abenteuer Leben, auch wenn frau alt und faltig ist ? Mut zum wirklich Ungewöhnlichen ?
Wenn's dann auch noch witzig wäre, wäre es perfekt.
Thursday, 31 December 2015
Wie geht's ?
Also...
... die Frage "Wie geht's?" ist im angelsächsischen Raum ("How are you?") einfach eine Form der Begrüßung. Man antwortet mit "Fine, thank you ..." und redet dann über's Wetter.Deutsche empfinden das manchmal als "Heuchelei" und behaupten, sie würden auf so eine Frage immer eine ehrliche Antwort haben wollen. Also sie fragen nur, wenn sie die Antwort auch interessiert.
Meiner Erfahrung nach, ist das aber keineswegs so. Die Frage "Wie geht's Dir?" ist im Grunde nur der Anlass, zu jammern. Man möchte gerne selber erzählen, wie schlecht es einem geht, und hofft, dass der/die Gefragte sich nicht allzu lange mit der Schilderung der eigenen Befindlichkeit aufhält.
Beispiele gefällig ?
Ich liege am Tag nach einer schweren OP mit Schläuchen im Körper und Schmerzen im Bett, das Handy klingelt und die Frage "Wie geht's Dir?" ertönt. Ich erwähne die stundenlange OP, die Schläuche und die Schmerzen ... und das ist das Stichwort. Sofort erfahre ich, dass man auch Schmerzen im Knie habe, und im Rücken erst, au weia. Und OPs kenne man auch, man war vor kurzem beim Zahnarzt und was der gebohrt hat, mann-o-mann, das hält man nicht aus.
Ich halte es auch nicht aus und beende das Gespräch.
Ein Anruf am Sonntag nach einer sehr arbeitsreichen Woche. Die übliche Frage. Ich erwähne viel Arbeit und dass ich am Samstag so fertig gewesen bin, dass ich um halb 10 im Bett lag und 10 Stunden geschlafen habe. Antwort: "Ach, Du kannst wenigstens schlafen, da habe ich ja so meine Probleme, also letzte Woche ...." --- ich hole mir einen Kaffee und grunze ab und zu etwas Ermutigendes in den Redefluss.
Wenn ich einfach "Gut, danke" sage, sind sie übrigens auch beleidigt. Denn wie kann es mir denn gut gehen, Single der ich bin, einsam in der Weihnachtszeit ... und wieso soll es mir gut gehen, wenn der Rest der Republik, mein Gesprächspartner an vorderster Front, leidet ??
Also sage ich "Gut, und Dir?" und hole dann das Tonband mit der Endlosschleife von beruhigenden und mitfühlenden Tönen, schalte ansonsten auf Durchzug und genieße meinen Kaffee.
Ja, auch wir Deutschen sind nicht "immer ehrlich" -- aber wir jammern gerne. Und darin sind wir echt gut !
Also, wenn ich Euch jetzt noch erzähle, was ich für schreckliche Anrufe heute gekriegt habe ...also, das glaubt kein Mensch, was ich wieder gelitten ....
Friday, 25 December 2015
Der Flug des Drachen
Das Nest ist leer
22 Jahre lang waren wir verbunden.Bereits vor seiner Geburt habe ich seine Tritte gespürt und wegen ihm alle halbe Stunde die Toilette aufgesucht. Konnte ich nachts nicht mehr liegen .
An den Moment der Geburt erinnere ich mich noch genau und seitdem habe ich unzählige Nächte durchgewacht, ihn beruhigt, ermutigt, vorgelesen, vorgesungen. Habe Stunden bei Ärzten und in der Chirurgischen Ambulanz mit ihm verbracht.
Habe mein Herz vor seinen Tränen verschlossen, die er in der ersten Kindergartenwoche weinte, aber es half nichts, ich musste arbeiten. Und er lernen, auch ein paar Stunden ohne die Mama zurecht zu kommen … was nach dieser ersten Woche sein Leben lang geklappt hat.
Ich war zuständig für Schuhe, Kleidung, Nahrung … erst durch meinen Körper direkt, dann dadurch, dass ich sie ins Haus brachte.
Habe mit ihm Hausaufgaben gemacht, gelernt, geübt ...
Die direkte Fürsorge wurde weniger, aber noch im letzten Dezember waren wir wieder im Krankenhaus . Und noch kurz vor seinem Auszug musste ich in seinem Zimmer den PC herunterfahren, in dem eine DVD herumlärmte und mich wach hielt, während er schon leise schnarchte.
22 Jahre lang waren wir verbunden – 22 Jahre lang war ich zuständig. Kann man verstehen, dass da nun ein Loch ist, an das ich mich erst gewöhnen muss, das ich nicht sofort füllen kann ?
Als er klein war, gab ich ihm Wurzeln. Als er größer wurde, Flügel.
Nun hat er sie ausgebreitet und fliegt. Bei aller Wehmut – so ist das richtig und so muss es sein. Ich weiß das.
Und so werde ich jetzt auch lernen, das neue Leben zu leben – auch ich werde fliegen lernen !
(Anfang Februar 2013)
Hallo !!
Einen Blog gibt es von mir schon - auf Englisch, für meine Freunde und Freundinnen in aller Welt. So begrüße ich hier Leserinnen und Leser meiner Muttersprache - wer Deutsch kann, möge lesen.
Muss aber nicht !
Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest - möget Ihr das Licht, das das Kind in der Krippe bedeutet, in Eurem Leben immer wieder erfahren !
Muss aber nicht !
Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest - möget Ihr das Licht, das das Kind in der Krippe bedeutet, in Eurem Leben immer wieder erfahren !
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